Test: Der Audi Q7 e-tron 3.0 TDI quattro

Mit dem 82.000 EUR teuren Q7 e-tron will Audi das „die Vorzüge elektrischen Fahrens mit den Möglichkeiten eines komfortablen SUV“ verbinden. Ob das klappt? Wir sind gespannt, als wir den weißen Q7 in Empfang nehmen, der uns für die nächsten Tage begleiten soll.

Der erste Blick: Der Q7 ist optisch kaum von seinen rein verbrennungsmotorgetriebenen Brüdern zu unterscheiden. Kenner bemerken das charakteristische Tagfahrlicht, das in einer liegenden L-Form bläulich unterhalb der großen Scheinwerfer schimmert. Wer den Q7 von beiden Seiten sieht, dem wird auffallen, dass hinter den Hecktüren auf beiden Seiten eine Tankklappe sitzt. Fahrerseitig versteckt sich hier allerdings die Ladebuchse, zum Laden des 17,3 kWh starken Lithium-Ionen-Akkus. Damit soll der 2,5 Tonnen schwere Allradler 56 km weit rein elektrisch fahren können, so Audi

Das erste Platznehmen: Platz genommen im Q7, gefällt die Audi-gewohnt hohe Verarbeitungsqualität. Der Innenraum wird dominiert von Leder und Holz. Hier knirscht und knackst nichts, jeder Spalt ist so groß wie er sein soll. Wie die meisten aktuellen Audi-Modelle hat auch der Q7 das Virtual Cockpit, indem sich z.B. die Navigationskarte direkt hinter die virtuellen Rundinstrumente projizieren lässt. Hier wird auch angezeigt, wieviel der 94 kW starke E-Motor gerade zum Vortrieb beiträgt. Das ist im Innenraum aber auch der einzige Hinweis auf die zwei Herzen in der Brust des Audis. Besitzern von sehr großen Hunden wird eventuell auffallen, dass der Kofferraum weniger Höhe misst, als im Standard Q7. Mit 650 Litern ist er für die meisten Freizeitaktivitäten und Urlaubsreisen aber dennoch mehr als ausreichend. Allerdings sind die zusätzlichen zwei Sitze in der dritten Sitzreihe für den e-tron nicht zu haben. Grund für den kleineren Gepäckraum sind natürlich die Akkus, die dort verbaut sind.

Die erste Fahrt: Beim Anlassen fällt uns zum ersten Mal wirklich auf, dass wir hier nicht im normalen Q7 sitzen. Denn der 258-PS-starke 3,0l V6 Diesel springt erst während der Fahrt an. Und da die Akkus auch beim Bremsen geladen werden, ist immer so viel Energie in den Zellen, dass die ersten Meter rein elektrisch zurückgelegt werden können. Perfekt also, um sich unauffällig in den Feierabend verabschieden zu können. So haben auch wir es gemacht und ein paar Runden im Q7 gedreht. Tritt man nicht zu energisch aufs Gaspedal und sind die Akkus voll, schwebt man für effektiv 30km rein elektrisch durch die Stadt. Beschleunigt man weiter, schaltet sich der Dieselmotor zu. Und das tut er (außer bei Vollgas) auch sehr gefühlvoll. Generell ist der V6 ein unauffälliger Zeitgenosse, der sich gerne auch wieder abschaltet, wenn man bremst oder bergab rollt.

Die erste Reise: Mit über 5 Metern Länge und 2,21 Metern Breite (mit Spiegeln) ist der Q7 kein Freund der Innenstadt und enge Parkhäuser sind ihm ein Graus. Wir vermuten deshalb, dass die Autobahn eher sein Metier ist. Um die Langstreckenfähigkeiten des Q7 zu testen, sind wir von München nach Berlin gefahren. Dass man im Q7 auch über weite Strecken gut sitzt wissen wir, aber was uns wirklich interessiert: Wie wirkt sich eine vollgeladene Batterie auf den Durchschnittsverbrauch aus? Wir fahren deshalb mit 100% Akkuladung in München los; als wir 600km weiter in Berlin ankommen, zeigt der Bordcomputer 8,8l/100km Durchschnittsverbrauch an. Für den Rückweg lassen wir den Akku ungeladen. Und verbrauchen nur einen halben Liter pro 100km mehr. Soll es das wirklich sein?

Unser Urteil: Keine Frage, der Q7 e-tron ist ein gutes Auto, das seinem Premiumnamen gerecht wird. Mit einer maximalen Systemleistung von 370 PS und 700 Nm Drehmoment lässt er auch fahrdynamisch kaum Wünsche offen (6,2 Sekunden auf 100; 225km/h Spitze). Aber muss es dafür wirklich ein Hybrid sein? Wir glauben, das Mehrgewicht und der Aufpreis machen nur in ganz bestimmten Fällen Sinn. Und zwar dann, wenn man entweder an neuen Technologien interessiert ist und unbedingt ein deutsches Premium-SUV will, oder wenn man täglich weniger als 30 km pendelt. Denn dann kann man rein elektrisch in die Arbeit fahren (und bei gegebener Lademöglichkeit auch wieder nach Hause). Anders werden sich die Mehrkosten von knapp 20.000 EUR gegenüber dem 3.0 TDI Modell kaum amortisieren können. Performance-Freaks werden ohnehin zum Topmodell SQ7 greifen und sich für 9.000 EUR Aufpreis 8 Zylinder und 435 PS gönnen.